BibTeX vs. biblatex: Unterschiede und Wahl

Wenn Sie frei wählen können, nehmen Sie biblatex mit biber. Bringt Ihre Zeitschrift, Konferenz oder Hochschule eine .bst-Vorlage mit oder verlangt BibTeX, bleiben Sie bei BibTeX.

Auf dieser Seite
  1. Was ist was?
  2. Direkter Vergleich
  3. Was sollten Sie verwenden?
  4. Minimalbeispiele
  5. Umstieg von BibTeX auf biblatex
  6. Hinweise zur Kompatibilität

BibTeX ist das Programm von 1985, das Ihre Literaturangaben sortiert und mit einem .bst-Stil formatiert, und es ist bis heute das, was die meisten Vorlagen von Zeitschriften und Konferenzen erwarten. biblatex ist ein deutlich jüngeres LaTeX-Paket, das die Formatierung in LaTeX selbst erledigt und zum Einlesen und Sortieren das separate Programm biber nutzt. Beide lesen dieselben .bib-Dateien, Ihre Literaturdatenbank bleibt beim Wechsel also unverändert. Der Unterschied liegt im LaTeX-Dokument, im Kompilierschritt und im Stil. biblatex ist flexibler und beherrscht Unicode und moderne Eintragstypen von Haus aus; BibTeX akzeptiert dafür jeder Verlag.

Was ist was?

Drei Namen sorgen für die meiste Verwirrung:

  • BibTeX bezeichnet sowohl das .bib-Dateiformat als auch das ursprüngliche Programm bibtex. Es liest Ihre .bib-Datei und eine .bst-Stildatei und schreibt eine .bbl-Datei, die LaTeX dann setzt.
  • biblatex ist ein LaTeX-Paket, das Sie mit \usepackage{biblatex} laden. Seine Stile sind in LaTeX geschrieben (.bbx- und .cbx-Dateien). Wer das Aussehen einer Angabe ändern will, setzt eine Option oder definiert ein Makro um, statt ein .bst-Programm zu bearbeiten.
  • biber ist das Programm, das biblatex anstelle von bibtex verwendet. Es liest die .bib-Datei in UTF-8, sortiert die Einträge und übergibt die Daten an biblatex. biber ist in TeX Live und MiKTeX enthalten (siehe Installation).
Mit BibTeX Mit biblatex
Ihre Datei references.bib references.bib (dieselbe Datei)
Sortiert von bibtex biber
Formatiert von bibtex nach Vorgabe der .bst LaTeX nach Vorgabe des biblatex-Stils
Der Stil steckt in einer .bst-Datei .bbx/.cbx-Dateien, gewählt mit style=

Direkter Vergleich

BibTeX biblatex
Präambel nichts, oder \usepackage{natbib} \usepackage[backend=biber, style=authoryear]{biblatex}
.bib-Datei einbinden \bibliography{references} am Ende, ohne Endung \addbibresource{references.bib} in der Präambel, mit Endung
Verzeichnis ausgeben \bibliographystyle{plain} und \bibliography{references} \printbibliography
Kompilieren pdflatex, bibtex, pdflatex, pdflatex pdflatex, biber, pdflatex, pdflatex
Zitierbefehle \cite; mit natbib \citep, \citet \cite, \parencite, \textcite, \autocite, \footcite und weitere
Stile .bst-Dateien: plain, alpha, IEEEtran, elsarticle-num, … style=-Optionen: numeric, alphabetic, authoryear, authortitle; Pakete wie biblatex-apa (style=apa), biblatex-ieee (style=ieee) und biblatex-chicago
Unicode in der .bib-Datei Umlaute als {\"o} schreiben (Akzenttabelle) UTF-8 wie ö funktioniert direkt
Mehrere Verzeichnisse nur mit Zusatzpaketen (chapterbib, multibib) eingebaut: refsection, refsegment, Filter nach Schlagwort oder Typ
Sortierung durch die .bst festgelegt Option sorting= (nty, nyt, ydnt, none, …), Unicode-fähig
Sprache Wörter wie „and“ oder „edition“ stehen fest in der .bst folgt babel oder polyglossia („und“, „Hrsg.“, „2. Aufl.“)
Eintragstypen und Felder die klassischen Eintragstypen; kein @online zusätzlich @online, @dataset, @software u. a.; date, journaltitle, urldate; @thesis mit Feld type
Querverweise crossref mit eingeschränkter Vererbung crossref und xdata mit einstellbarer Vererbung
Feldlängen sehr alte Versionen hatten feste Obergrenzen für Einträge und Zeichenketten; aktuelle bibtex- und bibtex8-Versionen stoßen selten daran praktisch keine Grenzen
Tempo und Umfang schnell, klein, seit Jahrzehnten stabil langsamer, großes Paket, viele Optionen

Was sollten Sie verwenden?

Bleiben Sie bei BibTeX, wenn

  • Ihre Zeitschrift, Konferenz oder Hochschule eine Vorlage mit .bst-Datei liefert oder ausdrücklich BibTeX verlangt. Typische Beispiele sind IEEE (IEEEtran.bst), ACM (ACM-Reference-Format.bst in acmart), Elsevier (elsarticle-num.bst und Verwandte in elsarticle) und die Zeitschriftenvorlagen von Springer. Verlage verarbeiten Ihre .bbl-Datei oft selbst weiter und können mit biblatex-Ausgabe nichts anfangen.
  • Sie bestehende Dokumente voller natbib-Befehle pflegen und keinen Grund haben, daran etwas zu ändern.
  • bei Koautoren oder auf einem Build-Server kein biber installiert ist.

Nehmen Sie biblatex, wenn

  • Sie ein neues Dokument beginnen, etwa eine Abschlussarbeit, ein Buch oder einen Bericht, und niemand eine .bst vorschreibt.
  • Sie einen Stil brauchen, der mit BibTeX schwer zu bekommen ist, etwa APA 7 oder Chicago, oder einen vorhandenen Stil im Detail anpassen möchten. Was BibTeX-Stile leisten, steht unter Literaturstile.
  • Sie häufig Webseiten, Datensätze oder Software zitieren und url und urldate sauber ausgegeben haben wollen.
  • Sie ein Literaturverzeichnis pro Kapitel brauchen oder Quellen und Sekundärliteratur getrennt aufführen.
  • Ihre Literatur Namen aus vielen Sprachen enthält oder das Verzeichnis sich nach der Dokumentsprache richten soll, im Deutschen also „Hrsg.“ und „Aufl.“ statt „ed.“.

Overleaf unterstützt beides ohne weitere Einstellungen und ruft je nach geladenem Paket bibtex oder biber auf.

Minimalbeispiele

Beide Beispiele verwenden diese references.bib:

@book{lamport1994latex,
  author    = {Lamport, Leslie},
  title     = {{\LaTeX}: A Document Preparation System},
  edition   = {2},
  publisher = {Addison-Wesley},
  address   = {Reading, MA},
  year      = {1994}
}

@book{knuth1984texbook,
  author    = {Knuth, Donald E.},
  title     = {The {\TeX}book},
  publisher = {Addison-Wesley},
  address   = {Reading, MA},
  year      = {1984}
}

Mit BibTeX

\documentclass{article}
\begin{document}
\LaTeX{} is described in \cite{lamport1994latex}, \TeX{} in \cite{knuth1984texbook}.
\bibliographystyle{plain}
\bibliography{references}
\end{document}

Kompilieren Sie mit pdflatex, bibtex, pdflatex, pdflatex. Im Text steht dann „described in [2]“, und der Eintrag von Lamport sieht so aus:

[2] Leslie Lamport. LaTeX: A Document Preparation System. Addison-Wesley, Reading, MA, 2 edition, 1994.

Mit biblatex

\documentclass{article}
\usepackage[backend=biber, style=authoryear]{biblatex}
\addbibresource{references.bib}
\begin{document}
\LaTeX{} is described in \textcite{lamport1994latex}, \TeX{} in \parencite{knuth1984texbook}.
\printbibliography
\end{document}

Kompilieren Sie mit pdflatex, biber, pdflatex, pdflatex. Im Text stehen nun „Lamport (1994)“ und „(Knuth 1984)“, und der Eintrag lautet:

Lamport, Leslie (1994). LaTeX: A Document Preparation System. 2nd ed. Reading, MA: Addison-Wesley.

Achten Sie auf „2nd ed.“: biblatex macht aus der Zahl im Feld edition eine Ordnungszahl in der Dokumentsprache, während plain stur „2 edition“ druckt. Mit \usepackage[ngerman]{babel} vor biblatex erhalten Sie „2. Aufl.“. In beiden Fällen startet latexmk -pdf das richtige Programm von selbst.

Umstieg von BibTeX auf biblatex

  1. Entfernen Sie \bibliographystyle{...} und ersetzen Sie \bibliography{references} an der Stelle des Verzeichnisses durch \printbibliography.

  2. Ergänzen Sie in der Präambel \usepackage[backend=biber, style=authoryear]{biblatex} (oder style=numeric für nummerierte Zitate) und \addbibresource{references.bib}. Hier gehört die Endung .bib dazu, anders als bei \bibliography.

  3. Entfernen Sie \usepackage{natbib}, denn natbib und biblatex lassen sich nicht gemeinsam laden. Schreiben Sie \citep und \citet entweder in \parencite und \textcite um, oder behalten Sie sie mit der Option natbib=true:

    \usepackage[backend=biber, style=authoryear, natbib=true]{biblatex}
  4. Stellen Sie Ihren Editor oder Build auf biber statt bibtex um. latexmk erkennt biblatex und ruft biber selbst auf, Overleaf ebenso. In TeXstudio oder TeXworks ändern Sie das Literaturwerkzeug in den Einstellungen.

  5. Löschen Sie einmal die alten .aux- und .bbl-Dateien, damit keine BibTeX-Ausgabe zurückbleibt.

  6. Lassen Sie die .bib-Datei, wie sie ist. biblatex akzeptiert journal für journaltitle, address für location und year/month neben date, die meisten Dateien brauchen also keine Änderung. Akzentbefehle wie {\"o} funktionieren weiter; Sie dürfen jetzt aber auch ö schreiben.

Typische Fehler nach dem Umstieg:

  • „Please (re)run Biber on the file“: biblatex braucht frische Daten. Führen Sie biber (nicht bibtex) mit dem Dokumentnamen aus und danach erneut LaTeX.
  • „I found no \citation commands“ von bibtex oder „biber: command not found“: Der Editor ruft noch bibtex auf, oder biber fehlt in Ihrer Installation. Prüfen Sie die Einstellung für das Literaturwerkzeug und Ihre TeX-Installation.
  • „Style ‘xyz’ not found“: Der Stilname ist falsch, oder das zugehörige Paket (etwa biblatex-apa) ist nicht installiert.
  • „Incompatible package ‘natbib’“: natbib wird noch geladen, eventuell von der Dokumentklasse. Solche Klassen sind in der Regel für BibTeX gedacht.

Den klassischen Ablauf mit BibTeX beschreibt BibTeX verwenden, wie Sie Literatur allgemein in ein Dokument bringen, steht unter LaTeX-Literaturverzeichnis.

Hinweise zur Kompatibilität

  • Die .bib-Datei funktioniert mit beiden. biblatex versteht alle Standardfelder und -typen von BibTeX. BibTeX übergeht unbekannte Felder wie date, urldate oder journaltitle stillschweigend; ein Eintrag, der nur date hat, verliert in einem BibTeX-Stil also sein Jahr. Soll eine Datei beiden dienen, behalten Sie year und journal bei.
  • Eintragstypen, die es nur in biblatex gibt, etwa @online, kennen die Standard-.bst-Stile nicht. BibTeX warnt („entry type for … isn’t style-file defined“) und setzt sie mit dem Standardformat des Stils, meist wie @misc. Unter Eintragstypen finden Sie Typen, die überall funktionieren.
  • Stile sind nicht austauschbar. Eine .bst-Datei lässt sich nicht mit biblatex verwenden und ein biblatex-Stil nicht mit BibTeX. Wer die Vorgaben eines Verlags treffen muss, braucht einen Stil für genau das System, das er verwendet.
  • Die Option backend=bibtex gibt es in biblatex, sie verzichtet aber auf Unicode und viele Funktionen und ist nur ein Notbehelf für Systeme ohne biber.

Weitere kurze Antworten finden Sie in den FAQ.