BibTeX-Literaturstile im Vergleich
Der Literaturstil legt fest, wie Zitate im Text gekennzeichnet werden und wie das Literaturverzeichnis sortiert und formatiert wird. Diese Seite zeigt, was die Standardstile ausgeben und welcher Stil zu welcher Vorgabe passt.
Auf dieser Seite
Was ein Stil leistet
Ein BibTeX-Stil ist eine .bst-Datei. Sie legt fest, welche Felder je Eintragstyp ausgegeben werden, wie Namen geschrieben werden, wie das Verzeichnis sortiert wird und wie das Label im Text aussieht. Ihre .bib-Datei bleibt unverändert; der Wechsel des Stils ist eine einzige Zeile:
\bibliographystyle{plain} % plain.bst, ohne Dateiendung
\bibliography{references}
Führen Sie nach dem Wechsel erneut bibtex und danach zweimal LaTeX aus (siehe BibTeX verwenden).
Die vier Standardstile
plain, unsrt, alpha und abbrv gehören zu BibTeX selbst. Die Beispiele verwenden diese drei Einträge, zitiert in der Reihenfolge Shannon, Knuth, Einstein:
@article{shannon1948,
author = {Shannon, Claude E.},
title = {A Mathematical Theory of Communication},
journal = {Bell System Technical Journal},
year = {1948},
volume = {27},
number = {3},
pages = {379--423},
month = jul
}
@book{knuth1984,
author = {Knuth, Donald E.},
title = {The {\TeX}book},
publisher = {Addison-Wesley},
address = {Reading, Massachusetts},
year = {1984}
}
@article{einstein1935,
author = {Einstein, Albert and Podolsky, Boris and Rosen, Nathan},
title = {Can Quantum-Mechanical Description of Physical Reality Be Considered Complete?},
journal = {Physical Review},
year = {1935},
volume = {47},
number = {10},
pages = {777--780}
}
plain
Numerische Labels, ausgeschriebene Vornamen, alphabetisch sortiert nach Autor, dann Jahr, dann Titel. Im Text erscheinen die drei Zitate als [3], [2] und [1].
[1] Albert Einstein, Boris Podolsky, and Nathan Rosen. Can quantum-mechanical description of physical reality be considered complete? Physical Review, 47(10):777–780, 1935.
[2] Donald E. Knuth. The TeXbook. Addison-Wesley, Reading, Massachusetts, 1984.
[3] Claude E. Shannon. A mathematical theory of communication. Bell System Technical Journal, 27(3):379–423, July 1948.
unsrt
Formatiert genau wie plain, aber in der Reihenfolge der ersten Zitierung aufgeführt. Im Text: [1], [2], [3].
[1] Claude E. Shannon. A mathematical theory of communication. Bell System Technical Journal, 27(3):379–423, July 1948.
[2] Donald E. Knuth. The TeXbook. Addison-Wesley, Reading, Massachusetts, 1984.
[3] Albert Einstein, Boris Podolsky, and Nathan Rosen. Can quantum-mechanical description of physical reality be considered complete? Physical Review, 47(10):777–780, 1935.
alpha
Formatiert wie plain, mit Labels aus den Autoren und den letzten zwei Ziffern des Jahres, sortiert nach Label. Ein Autor ergibt die ersten drei Buchstaben des Nachnamens, zwei bis vier Autoren ergeben ihre Initialen, bei mehr als vier folgt auf drei Initialen ein hochgestelltes Pluszeichen. Im Text: [Sha48], [Knu84], [EPR35].
[EPR35] Albert Einstein, Boris Podolsky, and Nathan Rosen. Can quantum-mechanical description of physical reality be considered complete? Physical Review, 47(10):777–780, 1935.
[Knu84] Donald E. Knuth. The TeXbook. Addison-Wesley, Reading, Massachusetts, 1984.
[Sha48] Claude E. Shannon. A mathematical theory of communication. Bell System Technical Journal, 27(3):379–423, July 1948.
abbrv
Sortiert und nummeriert wie plain, Vornamen werden auf Initialen gekürzt. Auch Monatsnamen und die vordefinierten Zeitschriftenkürzel werden abgekürzt: month = jul ergibt weiterhin „July“, month = sep dagegen „Sept.“ und journal = jacm „J. ACM“ statt „Journal of the ACM“.
[1] A. Einstein, B. Podolsky, and N. Rosen. Can quantum-mechanical description of physical reality be considered complete? Physical Review, 47(10):777–780, 1935.
[2] D. E. Knuth. The TeXbook. Addison-Wesley, Reading, Massachusetts, 1984.
[3] C. E. Shannon. A mathematical theory of communication. Bell System Technical Journal, 27(3):379–423, July 1948.
Alle vier Stile schreiben Aufsatztitel nach dem ersten Wort klein und ignorieren die Felder doi und url. Siehe häufige Probleme. Die Stile sind englisch („and“, „July“); deutsche Entsprechungen nach DIN 1505 (plaindin, unsrtdin, alphadin, abbrvdin) enthält das Paket din1505.
Autor-Jahr-Stile mit natbib
Die Standardstile kennen nur numerische oder alphabetische Labels. Für Zitate wie Einstein et al. (1935) laden Sie natbib und verwenden plainnat, abbrvnat oder unsrtnat. Sie formatieren Einträge wie ihre Standard-Gegenstücke und geben zusätzlich doi, url, isbn und issn aus.
\usepackage[round]{natbib}
\bibliographystyle{plainnat}
| Befehl | Ausgabe |
|---|---|
\citet{einstein1935} |
Einstein et al. (1935) |
\citep{einstein1935} |
(Einstein et al., 1935) |
\citet*{einstein1935} |
Einstein, Podolsky, and Rosen (1935) |
\citep[p.~3]{knuth1984} |
(Knuth, 1984, p. 3) |
\citep{knuth1984,shannon1948} |
(Knuth, 1984; Shannon, 1948) |
Das Literaturverzeichnis hat keine Labels und ist nach Autor sortiert (unsrtnat: nach Zitierreihenfolge). Mit \usepackage[numbers]{natbib} erzeugen dieselben Stile numerische Zitate.
Welcher Stil für welche Vorgabe
Wenn Sie für eine Zeitschrift oder Konferenz schreiben, verwenden Sie die .bst-Datei aus deren Vorlage. Andernfalls:
| Vorgabe | Stil | Label im Text | Sortierung | Voraussetzung |
|---|---|---|---|---|
| APA | apacite |
(Knuth, 1984) | Autor | Paket apacite; setzt APA 6 um |
| APA 7 | style=apa |
(Knuth, 1984) | Autor | biblatex-apa mit biber, nicht BibTeX |
| APA-ähnlich | apalike |
[Knuth, 1984] | Autor | nichts; mit natbib: (Knuth, 1984) |
| IEEE | IEEEtran |
[1] | Zitierreihenfolge | Bündel IEEEtran; beliebige Dokumentklasse |
| ACM | ACM-Reference-Format |
[1] oder [Knuth 1984] | Autor | Klasse acmart |
| Chicago | chicago |
(Knuth, 1984) | Autor | natbib oder Paket chicago, das (Knuth 1984) ausgibt |
| Harvard | agsm, dcu |
(Knuth 1984) | Autor | Paket harvard oder natbib, das (Knuth, 1984) ausgibt |
| Nature | naturemag |
[1], hochgestellt in der Klasse nature |
Zitierreihenfolge | Bündel nature |
| AMS | amsplain, amsalpha |
[1] oder [Knu84] | Autor | nichts; Teil von amscls |
| Springer LNCS | splncs04 |
[1] | Autor | Klasse llncs |
| Springer-Zeitschriften | spbasic, spmpsci, spphys |
numerisch oder Autor-Jahr | je nach Stil | Zeitschriftenvorlage svjour3 von Springer; nicht auf CTAN. Neuere Vorlagen von Springer Nature bringen eigene sn-*.bst-Dateien mit |
| Elsevier | elsarticle-num, elsarticle-harv |
[1] oder (Knuth, 1984) | Zitierreihenfolge oder Autor | Klasse elsarticle |
ieeetr, acm und siam aus dem Grundbestand von BibTeX sind ältere Annäherungen an die Layouts dieser Verlage. Für Einreichungen sind IEEEtran und ACM-Reference-Format die bessere Wahl. „Harvard“ ist kein einzelnes festgelegtes Format, sondern eine Familie von Autor-Jahr-Stilen; plainnat mit natbib wird daher meist ebenfalls akzeptiert. Für Science gibt es keinen Stil auf CTAN; verwenden Sie die Dateien aus den Autorenhinweisen der Zeitschrift.
Einen Stil finden und installieren
Ein vollständiges TeX Live enthält rund 400 .bst-Dateien; kleine Installationen wie BasicTeX enthalten deutlich weniger. Ob ein Stil installiert ist, prüfen Sie, indem Sie seinen Speicherort abfragen:
kpsewhich IEEEtran.bst
Bleibt die Ausgabe leer, installieren Sie das Paket, das den Stil enthält (tlmgr install ieeetran oder über die MiKTeX Console), oder laden Sie die Datei von CTAN oder aus der Vorlage des Verlags herunter. Eine .bst-Datei im selben Verzeichnis wie Ihre .tex-Datei wird ohne jede Installation gefunden. Das ist der einfachste Weg, den Stil einer Zeitschrift zu verwenden.
Einen eigenen Stil erstellen
Das Paket custom-bib erzeugt einen Stil aus einem Fragenkatalog, sodass Sie die .bst-Sprache nicht von Hand schreiben müssen:
latex makebst
Das Programm stellt eine lange Reihe von Fragen (Art der Labels, Namensformat, Interpunktion, Schwellen für „et al.“, …) und schreibt eine .dbj-Datei. Ein LaTeX-Lauf über diese Datei erzeugt die .bst. Bewahren Sie die .dbj auf: Darin lassen sich einzelne Antworten ändern und der Stil neu erzeugen.
Wann sich der Wechsel zu biblatex lohnt
Bleiben Sie bei einem .bst-Stil, wenn ein Verlag ihn vorschreibt. Ziehen Sie biblatex in Betracht, wenn Sie APA 7, Zitate in Fußnoten oder mit „ebd.“, ein deutschsprachiges Verzeichnis, die korrekte Sortierung von Umlauten, Literaturverzeichnisse je Kapitel oder kleine Anpassungen brauchen, für die Sie sonst eine neue .bst erzeugen müssten.
Häufige Probleme
- Das Feld
doioderurlwird nicht ausgegeben. Die Standardstile sind älter als beide. Verwenden Sieplainnat,abbrvnatoderunsrtnatoder die urlbst-Variantenplainurl,unsrturl,alphaurlundabbrvurl, die keine weiteren Änderungen erfordern. - Großbuchstaben in Titeln verschwinden. Die meisten Stile setzen Aufsatztitel in Satzschreibung. Schützen Sie Eigennamen und Akronyme mit geschweiften Klammern:
{Bell} inequalities. Mehr unter Großbuchstaben schützen. - „et al.“ erscheint oder erscheint nicht. Die Standardstile führen im Literaturverzeichnis immer alle Autoren auf; „et al.“ steht nur dort, wo die .bib-Datei
and othersenthält. natbib kürzt Zitate ab drei Autoren ab. Stile wieIEEEtranhaben eine einstellbare Schwelle, und mitmakebstwählen Sie selbst eine. - Zitate erscheinen als [?] oder das alte Format bleibt bestehen. Führen Sie erneut
bibtexund dann zweimal LaTeX aus. Hilft das nicht, löschen Sie die.bbl- und die.aux-Datei, denn eine.bbldes einen Stils kann mit dem nächsten unverträglich sein. \citetist nicht definiert oder Autor-Jahr-Zitate erscheinen als Nummern. Autor-Jahr-Stile brauchen ihr Paket (natbib,apacite,harvard) in der Präambel.