Literaturverzeichnis in LaTeX erstellen

Ein Literaturverzeichnis kommt auf drei Wegen in ein LaTeX-Dokument: von Hand mit thebibliography, automatisch mit BibTeX oder automatisch mit biblatex. Für fast jedes echte Dokument ist einer der beiden letzten Wege der richtige.

Auf dieser Seite
  1. Die drei Wege
  2. Schnellstart mit BibTeX
  3. Schnellstart mit biblatex
  4. Das Literaturverzeichnis von Hand: thebibliography
  5. Zitierbefehle und Stile
  6. Position und Überschrift des Verzeichnisses
  7. Häufige Probleme

Das Literaturverzeichnis in LaTeX besteht aus zwei Teilen: der Liste der Quellen am Ende des Dokuments und den Nummern oder Namen im Text, die darauf verweisen. Sie können die Liste selbst tippen. Üblicherweise legen Sie Ihre Literaturangaben aber in einer eigenen .bib-Datei ab und lassen ein Programm die zitierten Einträge heraussuchen, sortieren und im gewünschten Stil setzen. Dieses Programm ist entweder BibTeX, das klassische Werkzeug, das seit 1985 mit LaTeX ausgeliefert wird, oder biber, das mit dem Paket biblatex zusammenarbeitet. In beiden Fällen schreiben Sie \cite{schlüssel} in den Text und übersetzen das Dokument mehrmals. Die folgenden Abschnitte zeigen für jeden Weg ein lauffähiges Minimalbeispiel.

Die drei Wege

thebibliography (von Hand) BibTeX biblatex + biber
Was Sie schreiben Jeden Eintrag fertig formatiert im Dokument Eine .bib-Datei sowie \bibliographystyle und \bibliography Eine .bib-Datei sowie \usepackage{biblatex}, \addbibresource und \printbibliography
Kompilieren Zweimal pdflatex pdflatex, bibtex, pdflatex, pdflatex pdflatex, biber, pdflatex, pdflatex
Stile Keine: Es erscheint genau das, was Sie tippen .bst-Dateien (plain, alpha, Zeitschriftenstile) Optionen in der Präambel (style=numeric, authoryear, …)
Stärken Keine zusätzlichen Dateien oder Programme Von den meisten Vorlagen für Zeitschriften und Konferenzen verlangt Flexibel, volles Unicode, leicht anzupassen
Grenzen Keine Sortierung, kein Stilwechsel, keine Wiederverwendung Stile schwer anpassbar, eingeschränktes Unicode Von vielen Verlagen nicht akzeptiert

Welchen Weg Sie wählen sollten:

  • BibTeX, wenn Ihre Zeitschrift, Konferenz oder Hochschulvorlage eine .bst-Datei mitliefert oder \bibliographystyle vorschreibt.
  • biblatex für alles Neue, bei dem Sie frei entscheiden können.
  • Von Hand nur für eine Handvoll Quellen in einem einmaligen Dokument.

Schnellstart mit BibTeX

Legen Sie Ihre Literaturangaben zunächst in einer Datei references.bib neben Ihrer .tex-Datei ab. Jeder Eintrag hat einen Typ, einen Zitierschlüssel und Felder (siehe Das BibTeX-Format und Eintragstypen):

@book{lamport1994latex,
  author    = {Lamport, Leslie},
  title     = {{\LaTeX}: A Document Preparation System},
  edition   = {Second},
  publisher = {Addison-Wesley},
  address   = {Reading, MA},
  year      = {1994},
  isbn      = {0-201-52983-1}
}

@book{knuth1984texbook,
  author    = {Knuth, Donald E.},
  title     = {The {\TeX}book},
  publisher = {Addison-Wesley},
  address   = {Reading, MA},
  year      = {1984}
}

@manual{patashnik1988bibtexing,
  author = {Patashnik, Oren},
  title  = {{BibTeXing}},
  year   = {1988},
  month  = feb,
  note   = {Documentation for general {BibTeX} users}
}

Abtippen müssen Sie solche Einträge selten: Fügen Sie eine DOI in DOI → BibTeX ein oder exportieren Sie sie aus Google Scholar oder Ihrer Literaturverwaltung.

Anschließend zitieren Sie die Einträge über ihren Schlüssel, wählen einen Stil und legen fest, wo das Verzeichnis erscheint:

\documentclass{article}

\begin{document}

\LaTeX{} is described in~\cite{lamport1994latex}, \TeX{}
in~\cite{knuth1984texbook}, and BibTeX in~\cite{patashnik1988bibtexing}.

\bibliographystyle{plain}
\bibliography{references}

\end{document}

Beachten Sie, dass \bibliography{references} den Dateinamen ohne die Endung .bib erwartet. Übersetzt wird mit vier Befehlen (hier für eine Datei main.tex):

pdflatex main
bibtex main
pdflatex main
pdflatex main

Der erste Lauf schreibt die zitierten Schlüssel in main.aux, bibtex erzeugt daraus das formatierte Verzeichnis in main.bbl, der zweite Lauf liest es ein und der dritte setzt die Nummern im Text korrekt. latexmk nimmt Ihnen das alles ab:

latexmk -pdf main

Heraus kommt ein Abschnitt „References“ mit drei nummerierten Einträgen, alphabetisch nach Autor sortiert, und im Text [1], [2], [3]. Im Stil plain steht Knuths Buch in der .bbl-Datei so:

\bibitem{knuth1984texbook}
Donald~E. Knuth.
\newblock {\em The {\TeX}book}.
\newblock Addison-Wesley, Reading, MA, 1984.

Gedruckt ergibt das „[1] Donald E. Knuth. The TeXbook. Addison-Wesley, Reading, MA, 1984.“ Die ausführliche Anleitung finden Sie unter BibTeX verwenden; wird bibtex nicht gefunden, hilft BibTeX installieren.

Schnellstart mit biblatex

Dieselbe references.bib funktioniert unverändert mit biblatex. Laden Sie das Paket in der Präambel, melden Sie die Datei an (diesmal mit Endung) und geben Sie das Verzeichnis aus:

\documentclass{article}
\usepackage[backend=biber,style=authoryear]{biblatex}
\addbibresource{references.bib}

\begin{document}

\LaTeX{} is described in~\cite{lamport1994latex}, \TeX{}
in~\cite{knuth1984texbook}, and BibTeX in~\cite{patashnik1988bibtexing}.

\printbibliography

\end{document}

Statt bibtex rufen Sie biber auf:

pdflatex main
biber main
pdflatex main
pdflatex main

Auch hier genügt latexmk -pdf main: Es erkennt biblatex und startet biber selbst. Den Stil wählen Sie über die Option style= statt über eine .bst-Datei. Worin sich die beiden Systeme unterscheiden und wann sich ein Umstieg lohnt, erklärt BibTeX oder biblatex.

Das Literaturverzeichnis von Hand: thebibliography

Ganz ohne .bib-Datei können Sie das Verzeichnis direkt ins Dokument schreiben:

\documentclass{article}

\begin{document}

\LaTeX{} is described in~\cite{lamport1994latex}.

\begin{thebibliography}{9}
\bibitem{lamport1994latex}
  Leslie Lamport.
  \emph{\LaTeX: A Document Preparation System}.
  Addison-Wesley, Reading, MA, 2nd edition, 1994.
\bibitem{knuth1984texbook}
  Donald E. Knuth.
  \emph{The \TeX book}.
  Addison-Wesley, Reading, MA, 1984.
\end{thebibliography}

\end{document}

Jedes \bibitem{schlüssel} beginnt einen Eintrag, auf den Sie wie gewohnt mit \cite{schlüssel} verweisen. Das Argument {9} ist keine Anzahl, sondern ein Mustertext, dessen Breite die Einrückung der Marken bestimmt: {9} reicht für bis zu neun Einträge, {99} für bis zu 99. Zweimal pdflatex genügt, ein weiteres Programm ist nicht beteiligt.

Genau diese Umgebung erzeugt BibTeX in der .bbl-Datei. Schreiben Sie sie selbst, erscheinen die Einträge stets in der getippten Reihenfolge und Form. Es gibt keine Sortierung, keinen Wechsel zu einem anderen Stil und keine Wiederverwendung in anderen Dokumenten. Für einen kurzen Bericht mit fünf Quellen ist das in Ordnung, darüber hinaus wird es mühsam.

Zitierbefehle und Stile

Die Grundbefehle funktionieren bei allen drei Wegen:

  • \cite{schlüssel} gibt die Marke aus, etwa [2].
  • \cite[S.~12]{schlüssel} ergänzt eine Seitenangabe oder Anmerkung: [2, S. 12].
  • \cite{a,b} zitiert mehrere Einträge auf einmal.
  • \nocite{schlüssel} nimmt einen Eintrag ins Verzeichnis auf, ohne ihn im Text zu zitieren; \nocite{*} übernimmt alle Einträge der .bib-Datei.

Ob Nummern wie [2] oder Autor und Jahr wie „(Knuth 1984)“ erscheinen, bestimmt der Stil. Für Autor-Jahr-Zitate mit BibTeX laden Sie das Paket natbib und einen passenden Stil wie plainnat; dann liefert \citep{schlüssel} „(Knuth, 1984)“ und \citet{schlüssel} „Knuth (1984)“. In biblatex heißen die Entsprechungen \parencite{schlüssel} und \textcite{schlüssel}.

BibTeX-Stile sind .bst-Dateien: Die Standardstile gehören zu jeder TeX-Distribution, Zeitschriften liefern ihre eigenen. biblatex-Stile wählen Sie per Name mit style=. Wie die gängigen Stile aussehen, zeigt die Seite Stile.

Position und Überschrift des Verzeichnisses

Das Verzeichnis erscheint dort, wo \bibliography{...}, \printbibliography oder die Umgebung thebibliography steht, in der Regel direkt vor \end{document}.

Die Überschrift hängt von der Dokumentklasse ab: article setzt „References“, book und report setzen „Bibliography“ als Kapitel (mit deutscher Spracheinstellung „Literatur“ bzw. „Literaturverzeichnis“). Ändern lässt sie sich, indem Sie \refname (article) oder \bibname (book, report) umdefinieren:

\renewcommand{\refname}{Quellen}

Mit babel funktioniert das so nicht, weil babel diese Namen bei der Sprachwahl zurücksetzt. Legen Sie die Änderung dann in den Sprach-Hook, etwa \addto\captionsngerman{\renewcommand{\refname}{Quellen}}. Bei biblatex geben Sie den Titel direkt an: \printbibliography[title={Quellen}].

Ins Inhaltsverzeichnis nehmen die Standardklassen das Literaturverzeichnis nicht auf. Schreiben Sie \addcontentsline{toc}{section}{\refname} unmittelbar vor \bibliography{...} (in einem Buch chapter und \bibname) oder bei biblatex \printbibliography[heading=bibintoc]. Das Paket tocbibind erledigt dasselbe für alle Klassen.

Für ein eigenes Verzeichnis pro Kapitel bietet biblatex die Umgebung refsection: Setzen Sie jedes Kapitel in eine solche Umgebung und \printbibliography innerhalb davon, vor \end{refsection}. Mit BibTeX übernehmen das die Pakete chapterbib oder bibunits.

Häufige Probleme

Das Verzeichnis ist leer oder im Text steht „Citation undefined“. BibTeX (bzw. biber) wurde nicht ausgeführt oder LaTeX danach nicht erneut übersetzt. Führen Sie die vollständige Folge aus vier Befehlen aus oder verwenden Sie latexmk.

Fragezeichen [?] statt Nummern. Dieselbe Ursache: Die Schlüssel sind noch nicht aufgelöst. Bleiben die Fragezeichen nach einem vollständigen Durchlauf, passt der Schlüssel in \cite zu keinem Eintrag der .bib-Datei (Groß- und Kleinschreibung zählt). Suchen Sie in der .blg-Logdatei nach „I didn’t find a database entry“.

„There were undefined references.“ Nach dem ersten Lauf ist diese Warnung normal. Steht sie auch nach dem letzten Lauf noch im Log, prüfen Sie die Schlüssel wie oben.

„I couldn’t open database file references.bib“. Der Dateiname in \bibliography{...} stimmt nicht, die Datei liegt in einem anderen Ordner oder Sie haben references.bib statt references geschrieben. Bei biblatex braucht \addbibresource dagegen die Endung.

Ein Eintrag der .bib-Datei fehlt im Verzeichnis. BibTeX übernimmt nur zitierte Einträge. Verwenden Sie \nocite{schlüssel} oder \nocite{*}.

Großbuchstaben werden kleingeschrieben. Viele Stile setzen Titel in Kleinbuchstaben. Schützen Sie Wörter, die groß bleiben müssen, mit geschweiften Klammern: title = {A History of {NASA}}. Mehr dazu unter Sonderzeichen.

Overleaf. Overleaf ruft latexmk automatisch auf; Sie müssen nur die .bib-Datei hochladen und neu kompilieren.

Weitere Antworten finden Sie in den FAQ.